Ehemaligenbericht von Lukas Grünbeck, Abitur 2013

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

wenn Ihr diesen Text lest, dann seid Ihr wohl gerade an einem Punkt angekommen, an dem es sich zu entscheiden gilt. Zu entscheiden über den weiteren schulischen Werdegang Eures Kindes / den weiteren Schulalltag, den Du erleben darfst.

Ihr habt Euch, im besten Fall zusammen, verschiedene Schulen an den Tagen der offenen Tür angeguckt. Habt Vorzüge der einen und interessante Fakten der anderen Schule abgewogen. Mit Hilfe der BVG-App Fahrtwege rausgesucht und euch Zuhause beim Essen immer wieder über die Schulen unterhalten. Denn immerhin stehen insgesamt noch zwischen sechs und acht Jahren Schule bevor, da sollte eine Entscheidung gut überlegt sein.

Ich möchte gerne versuchen, Euch bei dieser Entscheidung durch meine Erfahrung am Herder-Gymnasium und während meines Studienanfangs zu helfen. Denn ich selbst war acht Jahre Schüler an der Herder-Oberschule. Angefangen 2005 in der ersten Profilklasse im fünften Schuljahr bis hin zum Abitur, welches ich 2013 am Herder absolviert habe. Danach habe ich ein Jahr in den Studiengang „Technischer Umweltschutz“ an der Technischen Universität Berlin geschnuppert, um jetzt an der Freien Universität Berlin Politik und Physik mit dem Ziel, Lehrer zu werden, zu studieren.

Ich würde sehr gerne die fachliche Bildung am Herder getrennt vom Schulleben am Herder beschreiben. Da das Fachliche in vielen Beiträgen meiner ehemaligen Mitschüler hier sehr detailliert beschrieben wird, möchte ich mich auf meine sozialen Erlebnisse fokussieren.

Fachliche Bildung

Von der 5. Klasse an hatte ich eine Stunde mehr Mathe sowie eine zusätzliche Stunde in den Naturwissenschaften pro Woche. Außerdem liegt mir Mathe schon immer, genauso wie allen meinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Auf dem Herder wurde das ganz bewusst aufgegriffen und gefördert. Häufig hatten wir den Stoff eines Schuljahres in Mathematik innerhalb eines ¾ Schuljahres fertig und konnten uns somit im letzten Viertel mit vertiefenden Inhalten beschäftigen oder Stoff aus dem nächsten Schuljahr vorgreifen. In den Pausen ging es häufig um Inhalte des Matheunterrichts oder um das Lösen mathematischer Rätsel. Diese intensive Beschäftigung mit Mathematik, Physik und Chemie merkt man nach seiner Schullaufbahn. Auch wenn die Ansprüche durch diese Intensität für gute Noten sehr hoch gesetzt werden, lohnt sich die fachliche Bildung eindeutig.

Im Studium fiel es vielen meiner Kommiliton_Innen schwer, die mathematischen und physikalischen Inhalte zu verstehen. Alles war neu für sie und dazu in einem sehr schnellen Tempo erklärt. Durch meine fachliche Vorbildung am Herder hatte ich diese Probleme deutlich seltener. In Lerngruppen bin ich häufig derjenige, der die Inhalte erklärt, um sie anschließend zusammen zu rechnen. Auch meine Klausurergebnisse in den Naturwissenschaften an der Universität sind überdurchschnittlich gut. Das ist eindeutig auf die fantastische inhaltliche Bildung am Herder zurückzuführen.

Schulleben am Herder

Wir sind damals mit 26 Jungs und vier Mädchen in unsere Schullaufbahn am Herder gestartet. 30 Kinder, die an ihren Grundschulen häufig Klassenbeste waren, dazu ein sehr unausgewogenes Verhältnis von Jungen und Mädchen. All dies machte die Zeit von der 5. bis zur 10. Klasse nicht immer harmonisch.

Den Schulstart mit Herrn Steinkrauß als Klassenlehrer (Ich finde hier dürfen Einzelpersonen gelobt werden) kann ich nur als außergewöhnlich schön beschreiben. Während ich auf der Grundschule nicht gerade der einfachste Schüler war, habe ich am Herder gleich zu Beginn einen Lehrer erlebt, welcher mit vielen Mühen die Klassengemeinschaft gestärkt hat. Hilfreiche pädagogische Gespräche mit einem Lehrer meines Vertrauens haben mich sozial sehr positiv geprägt.

Doch während wir in Klasse 5 und 6 durch die Betreuung eines der besten Lehrers der Schule noch ein vernünftiger Klassenverband waren, wurde es mit einem Lehrerwechsel und dem Beginn der Pubertät in Klasse 7 und 8 sehr anstrengend für alle Beteiligten – Lehrer_Innen wie auch Mitschüler_Innen. Das Herder ist keine perfekte Schule, so gibt es immer Lehrkräfte, mit denen man auskommt, aber eben auch solche, mit denen man einfach nicht warm wird. Es gab Streit unter Mitschülern, Unterrichtsverweigerungen und auch Anfänge von Mobbing. An all diesem war auch ich beteiligt. Doch war es schlimmer als Geschichten von anderen Schulen? - Ich denke nicht.

Trotzdem wechselten einige Mitschüler_Innen die Schule, auch auf Grund von Lehrkräften und Mitschüler_Innen. Auch ich spielte zum Abschluss der 10. Klasse mit dem Gedanken eines Schulwechsels. Ich hatte es mir mit einigen Lehrkräften verscherzt und ärgerte mich über den Klassenverband.

Doch genauso wie es diese schlechten Momente gab, konnte mich einer der sehr schönen Momente an der Schule halten. Auf der Chorfahrt zum Abschluss der 10. Klasse habe ich tolle Kontakte geknüpft und von Schülern und Schülerinnen der Oberstufe erfahren, dass sich die Oberstufenzeit deutlich von der Zeit vorher unterscheidet.

Die Oberstufenzeit stellte meine beste Zeit an der Schule dar. Der Umgang mit den Lehrkräften änderte sich deutlich. Und auch vergrößerte sich das soziale Umfeld auf den ganzen Jahrgang, sodass man sich die nettesten Menschen aus diesen als Freund_Innen suchen konnte. Auch Schule an sich gestaltete sich mehr als Lebensort. Durch die Schülervertretung, Chorkonzerte, Theateraufführungen, Weihnachtsfeiern und Talente-Abende wurde das schulische Leben deutlich spürbarer.

Nach meiner Schulzeit habe ich noch Kontakt zu einigen Freund_Innen aus der Schule wie auch zu Lehrkräften. Erst vor kurzem habe ich mich mit meinem ehemaligen Klassenlehrer und einigen Mitschülern zum Essen getroffen.

Das Herder bietet eine wunderbare fachliche Ausbildung, vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. Die Vorbereitung auf die Universität ist ausgezeichnet, und ich möchte sie nicht missen.

Als Lebensort ist das Herder eine ganz normale Schule. Man trifft auf wundervolle Lehrkräfte und Mitschüler_Innen und behält von diesen tolle Erinnerungen. Aber auch auf Menschen, mit denen man nicht klarkommt. Wichtig ist, sich am sozialen Leben der Schule zu beteiligen, denn durch das eigene Engagement wird das Schulleben an jeder Schule deutlich schöner!

Lukas Pontus Grünbeck (Ehemaliger Schüler)

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