Philosophie

„Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“

Ludwig Wittgenstein PU, §109

Das Fach Philosophie wird am Herder-Gymnasium in den Jahrgangsstufen 11 und 12 angeboten. Derzeit bieten wir in jedem Oberstufenjahrgang mindestens einen Grundkurs an, in welchem die Schülerinnen und Schüler zum Teil Themen fortführen, die schon aus der Fachkooperation Ethik-Religion in der Sekundarstufe I bekannt sind. Im Übrigen werden aber auch neue Themen mittels Texten sowie anderer Materialien aus der philosophischen Tradition von der Antike bis in die unmittelbare Gegenwart bearbeitet. Im Mittelpunkt des als dreistündigen Grundkurs eingerichteten Unterrichts steht das philosophisch-kritische Denken.

Die vier Grundkurs-Semester sind Rahmenlehrplan-konform eingerichtet und in kantischer Tradition mit den vier Kursthemen überschrieben: Werte und Normen (Angewandte Ethik und Theorie der Ethik), Mensch und Gesellschaft (Philosophische Anthropologie und politische Philosophie), Erkenntnis und Wahrheit (Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie) sowie Sein und Werden (Religionsphilosophie, Philosophie der Geschichte und Ästhetik).

 

Kurshalbjahr 1 2 3 4
Kursthema Werte und Normen Mensch und Gesellschaft Erkenntnis und Wahrheit Sein und Werden
Inhalte Deontologie und 
Teleologische Ethiken
Die Freudschen und Vollmerschen Kränkungen 
des Menschen, 
Theorien der Gerechtigkeit
Antike Erkenntnistheorie, 
Erkenntnistheorie der Neuzeit
„Gottesbeweise“ und ihre Widerlegungsversuche, 
Argumente der Religionskritik
wahlobligatorische Vertiefungen Medienethik, 
Tierethik, 
Bioethik, 
Wissenschaftsethik, 
feministische Ethik
Gesellschaftsbilder, 
Theorien der Willensfreiheit, 
Philosophie des Geistes, 
Theorien der Überwachung, 
das „Böse“
Sprachphilosophie des 
20. Jahrhunderts, 
Wissenschaftstheorie, 
Prädikaten- und Modallogik
Philosophie der Geschichte, 
Ästhetik, 
Sozialontologie, 
Utopien

Innerhalb der Kursthemen leistet der Philosophieunterricht einen steten Beitrag zur Förderung des systematischen, vernetzten und fachübergreifenden Denkens der Schülerinnen und Schüler. Im Sinne einer kantischen Mündigkeit erhalten sie die Möglichkeit, Dimensionen der Toleranz und Verantwortung des eigenen Handelns sowie sich selbst als kritisches Individuum in einer pluralistischen Gesellschaft zu erfahren.

Das philosophisch-kritische Denken der Schülerinnen und Schüler dient als Orientierung für die Dokumentation der Leistungen im Grundkurs. Pro Semester schreiben die Schülerinnen und Schüler je eine Klausur, in der ein philosophisches Problem erörternd, materialerschließend oder kreativ reflektiert wird. In einer offen praktizierten Bewertungskultur bildet die Klausurnote in Verbindung mit der doppelt gewichteten Note des Allgemeinen Teils (Qualität und Quantität der Mitarbeit, Soziales Verhalten während des Unterrichts) die schlussendliche Semesternote.

Die Grundkurs-Schülerinnen und -Schüler des Herder-Gymnasiums setzten sich in der Vergangenheit nicht nur intensiv mit klassischen sowie modernen Texte auseinander, sondern produzierten diese auch im kleinen Diskurs. So sind seit dem Winter 2016/17 bereits drei Essaybände zu den Themen „Das Böse“, Überwachung“ und Ist das Wissenschaft oder kann das weg?“ entstanden, in welchen sie selbstständig sowie in gemeinsamer Arbeit an der Schärfung insbesondere längerer Argumente feilen konnten. Die Schüler-Beiträge reichten hierbei von scharfsinnig deutenden Bestandsaufnahmen ihrer Umwelt bis hin zu begründeten Verteidigungen oder auch Streitschriften vor dem Hintergrund einschlägiger Textquellen.