9. November
- Schulgeschichte
- Unsere Schule
Unser ehemaliger Herder-Lehrer Erich Löwenthal und die Novemberpogrome 1938
Vor 88 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, erreichten die Novemberprogrome im Deutschen Reich ihren Höhepunkt. Was wie ein Flashmob wirken sollte, war der Beginn der finalen orchestrierten Zerstörung des jüdischen Lebens im Deutschen Reich durch die Nazi-Organe und deren Sympathisanten: Über 1400 brennende Synagogen, Tausende zerstörte und geplünderte jüdische Geschäfte, unzählige zertrümmerte Wohnungseinrichtungen, über Tausend mißhandelte und getötete Juden.
Zu der Zeit unterrichtet unser ehemaliger Herder-Lehrer Erich Löwenthal an der jüdischen Dr. Leonore-Goldschmidt-Schule.
Ihre damals 14-jährige Tochter Gertrud Goldschmidt berichtet später:
„Wie üblich machten wir uns – mein Bruder, mein Cousin und ich – zu Fuß auf den Weg zur Schule, wurden jedoch von besorgten Taxifahrern angesprochen, deren Taxistand an der nächsten Straßenecke lag. Sie erzählten uns, dass die Synagoge in Brand gesteckt worden sei, und ermahnten uns, uns zur Schule zu beeilen. Da wir Rauch aus Richtung der örtlichen orthodoxen Synagoge aufsteigen sahen, rannten wir zur Schule. Dort trafen wir sowohl Schüler als auch Lehrer in großer Aufregung an, da viele auf dem Weg zur Schule andere brennende Synagogen gesehen hatten. Wir versuchten, uns zu beruhigen, doch (.) nach Beginn meines Unterrichts kam meine Mutter, die Schulleiterin, in unser Klassenzimmer, um Lehrern und Schülern mitzuteilen, dass man zu dem Schluss gekommen sei, eine große Ansammlung jüdischer Kinder stelle eine Gefahr dar. Wir sollten daher in kleinen Gruppen durch das Hintertor das Schulgelände verlassen. Der nichtjüdische Hausmeister, Herr Voss, würde unseren Abzug beaufsichtigen und dafür sorgen, dass sich alle schnell zerstreuten. Dann sollten wir nach Hause eilen. Wir drei gingen zurück in unsere Wohnung. Nicht lange danach kamen meine Eltern mit der schrecklichen Nachricht in die Wohnung, dass die Nazis alle erwachsenen Männer verhafteten.“
Ob Erich Löwenthal an dem Tag als einer der sechsundzwanzigtausend jüdischen Männer ins KZ kam, ist nicht bekannt. Vielleicht konnte er sich vorher verstecken, vielleicht ließen sie ihn erst Tage oder Wochen später wieder unterrichten. Als die Schule 1939 schloss, blieb er mit seiner Frau in Berlin.
Hier geht es zu seiner Biografie.
Die AG Schulgeschichte