„Haus der Wannsee-Konferenz“

von Lukas Flesch

Exkursion Grundkurs Geschichte (Q3)

Im „Haus der Wannsee-Konferenz“ – am Großen Wannsee wurde am 20. Januar 1942 die „Endlösung der Judenfrage“ besprochen. In nur eineinhalb Stunden vereinbarten hier – am Großen Wannsee – hochrangige Vertreter der SS, der NSDAP und der verschiedenen Reichsministerien unter der Leitung von Reinhard Heydrich ihre Zusammenarbeit hinsichtlich der Deportationen, Ghettoisierung und Ermordung der europäischen Juden.

Nachdem wir uns im 3. Semester (Q3) mit dem Nationalsozialismus beschäftigt hatten, besuchten wir, der Geschichtsgrundkurs des 4. Semesters, zusammen mit Frau Hoffmann, diese historische Gedenkstätte. Die Villa am Westufer des Wannsees wirkte zunächst beeindruckend auf uns. Die Gedenktafel am Eingang des Grundstücks mahnte uns jedoch gleich zur Erinnerung:

In diesem Haus fand im
Januar 1942 die berüchtigte
Wannsee-Konferenz statt.

Dem Gedenken der
durch nationalsozialistische
Gewaltherrschaft umgekommenen
jüdischen Mitmenschen.

Erbaut wurde die Villa 1914 im italienischen Landhausstil durch den deutschen Architekt Paul Baumgarten. In der Zeit von 1941 bis 1945 fungierte sie als Gäste- und Erholungsheim der SS. Entgegen vieler Vorausurteile hatten die Nationalsozialisten diese zu marktüblichen Preisen vom Vorbesitzer erworben.

Empfangen wurden wir von der Mitarbeiterin Frau Rosenhain, die uns zunächst über das Haus als historische Gedenkstätte informierte. Anschließend gingen wir gemeinsam in den Besprechungsraum, wo wir die Möglichkeit hatten, einen Blick auf das Ergebnisprotokoll von Adolf Eichmann werfen zu können. Dieses 15-seitige Protokoll, welches die „Lösungsvorschläge für die Endlösung der Judenfrage“ festhält, machte Folgendes deutlich: (1.) Die Besprechung schien durch Reinhard Heydrich gut vorbereitet gewesen zu sein. Dies belegt unter anderem eine tabellarische Übersicht, aus der die Anzahl der Juden, die in jedem europäischen Land lebten, entnommen werden können. Differenziert wurde bereits nach den von Deutschland zu diesem Zeitpunkt eingenommenen und nicht-eingenommenen Ländern. (2.) Das Protokoll besteht überwiegend aus Passivsätzen, Nominalisierungen und Verschönerungen. Entsprechend unserer Vermutungen sollten diese unkonkreten Formulierungen bewirken, dass sich die Teilnehmer hinter den Formulierungen verstecken konnten, wodurch keiner im Nachhinein belangt werden konnte. (3.) Die Mitglieder der Besprechung waren sehr gebildet und trugen sogar überwiegend einen Doktortitel. Wenn es sich auch um wenig bekannte Staatssekretäre handelte, waren sich die Teilnehmer bewusst, welche Konsequenzen ihre Besprechung mit sich brachte.

Nach dieser Einführung durch Frau Rosenhain teilten wir uns in fünf Gruppen und recherchierten arbeitsteilig die (1.) Definition und Kennzeichnung, (2.) Entrechtung und Enteignung, (3.) Konzentration (Ghettoisierung), (4.) Deportation und die (5.) Ermordung der europäischen Juden zwischen 1933 und 1945. Durch diese Arbeitsmethode wurden wir alle zu Experten für einen Themenbereich, in dem wir individuelle Schwerpunkte setzen konnten. Unsere Arbeitsgruppe konzentrierte sich beispielsweise auf den „Mord an den europäischen Juden“. Wir analysierten in diesem Zusammenhang die Standorte der Konzentrationslager und stellten fest, dass sich diese überwiegend in der Nähe von Industriestandorten befanden, damit die KZ-Insassen dort zur Zwangsarbeit eingesetzt werden konnten. Weiterhin beschäftigten wir uns mit einigen „Kurzbiographien“, in welcher Form Widerstand auch von Seiten der Häftlinge geleistet werden konnte, und wie die Häftlinge die Zeit in einem Konzentrationslager in Gedichten oder Zeichnungen verarbeiteten.

Dadurch, dass jede Gruppe ihre Arbeit vorstellen konnte, bekamen wir letztendlich einen guten Gesamteindruck von der Ausstellung im „Haus der Wannsee-Konferenz“. Abschließend bekamen wir noch die Möglichkeit, uns im Museum umzusehen.

Das „Haus der Wannsee-Konferenz“ – eine Gedenkstätte, die als „Täterort“ zum Erinnern einlädt! Ein Besuch ist auf jeden Fall zu empfehlen!

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Frau Rosenhain, der Mitarbeiterin der „Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz“, die diesen Vormittag durch ihre Fachkenntnisse und ihr hohes Engagement besonders geprägt hat.

Lizandra und Selen (Schülerinnen aus Q4)

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